Chronik

Gemeinde Hedersleben
&
Kloster St. Gertrudis

Hedersleben
1.638,00 Einwohner
Fläche: 16,47 km²
Postleitzahl: 06458
Höhe ü. NN: 109,00 m
Kennzeichen: HZ

Geschichtliche Eckdaten

4. und 5. Jahrhundert aus Jütland kommen die Warnen und gründen viele Orte im Vorharzraum, so auch in Hedersleben. Die Silbe "leben" bedeutet Hinterlassenschaft. Der Name wird als "Hinterlassenschaft des Streitbereiten" gedeutet.
Mit der Qrtsgründung wird der erste; Grundstein eines; stabilen Dorfes gelegt. Der Hakenpflug wandelt sich zum Bodenwendepflug mit Rädern.
531 Hedersleben ist zunächst Bestandteil des Thüringerreiches, danach sächsisches Gebiet und um 800 endgültig fränkisch. Durch Karl den Großen wird das Christentum eingeführt, und zwar zwischen 750 und 780.
Dadurch gibt es hier große Unzufriedenheit und Kämpfe, denn in Hedersleben steht ein heidnisches Heiligtum. Das slawische Dorf Löbenitz lag einst zwischen Hedersleben und Wedderstedt.
978 wird in Hedersleben in einer Schenkungsurkunde Kaiser Otto II. genannt, wobei er seinem Mundschenk Liuvo einen Gefallen erweist und ihm Ackerland vermacht.
Fränkisches Familien- und Erbrecht regelt das Zusammenleben der Menschen. Eine alte Gerichtsstätte besteht auf dem "Heiligen Eide". Der Markberg markiert eine besondere Stelle, die eine Bedeutung zur Sommersonnenwende erlangt, denn beim Verlöschen eines nächtlichen Feuers geht die Sonne über diesem Berge auf (Blickrichtung: Roßtrappe-Markberg).
Der Ort gehört seit dem 8. Jahrhundert zum Schwabengau, dessen Hauptort Aschersleben ist. Hedersleben gehört im 12. Jahrhundert zur Grafschaft Askanien. Eine Burg mit Ackerbesitz hat im 11. Jahrhundert ein Lehnsherr (niederer Adel) des Königs im Besitz. Die Burg war eine Wasserburg, die mit Wällen und Gräben umgeben war. Hedersleben gehörte zur dritten Verteidigungslinie gegen die Slawen. Sicherungsfunktion an der Selkefurt.
1016 heißt Hedersleben Hedekersleibin und ist Hauptort einer Grafschaft.
1057 Ritterliche Scharmützel an der Selke und Bode. Markgraf Otto von Thüringen überfällt Bruno von Braunschweig und rennt ihn vom Pferde, so dass er seinen Geist aufgibt.
Romanischer Kirchturm ältestes Bauwerk von Hedersleben.
1090 kehrt Eckbert II. Markgraf von Meißen hier in eine Mühle ein und wird von den Lehnsleuten der Äbtissin von Quedlinburg erschlagen.
1253 ist in Hedersleben durch die Grafen von Hakeborn ein Nonnenkloster der Zisterzienser erbaut worden. Einige Freihöfe liegen im Unterdorf, die man als "curia" oder "castrum" bezeichnet und die abgabenfrei sind.

Bischof Volrad aus Halberstadt übermittelt dem Konvent des Klosters ein Schreiben mit der Mitteilung, dass der Konvent in seiner geistlichen Fürsorge selbständig sei. Damit haben die Äbtissinnen hier eine fast 550jährige Herrschaft angetreten. Im 12. Jahrhundert gibt es viel Streit zwischen Ascaniern und Welfen (Braunschweig), wobei die Burg Hausneindorf 1168 zerstört wird. In 56 Jahren erwirbt das Kloster größtenteils durch Schenkungen 1155,7 ha Land. Die Grafen von Hakeborn und andere Edelherren lassen es sich zur Ehre gereichen, sich auf diese Art ihr Seelenheil zu erkaufen. Die Zisterzienser üben in diesem Feldkloster die Landwirtschaft aus. Die heilige Gertrud von Nivelles ist die Schutzpatronin.

1264 Das Kloster kauft eine Wassermühle von Johannes von Blankenburg in Hedersleben an der Selke, Diese hieß dann Klostermühle.
1292 entsagen die Brüder Erich und Theodrich von Gatersleve der Advokatie (Rechtsbeistand), über Güter in Hedersleben, die Ritter Heinrich, genannt Kegel, erhält. Die advocatia waren Vogtei-Rechte.

Durch krisenhafte Erscheinungen, wie - Erschöpfung des Bodens
- Pestseuche
- Landflucht der Bauern
gehen viele kleine Dörfer ein, wie z.B. Löbenitz und Westendorf bei Hedersleben.

1301 ist Hunger und Kummer im Ort, desgleichen in den Nachbarorten.
1315 stirbt Otto I von Ascanien und durch eine raffinierte Politik bringt der Halberstädter Bischof Albrecht I. von Anhalt die Grafschaft an sich.
1320 wird eine dinestole (Gericht) genannt.
1322 Anhaltiner und Regensteiner streiten miteinander.
1330 Das Kloster hat sehr gelitten. Beschwerden und erhöhte Abgaben folgen.
1357 zahlt Otto von Hedersleve den Zehnten für eine Hufe an das Kloster Hedersleben. Der Beetpflug ist in Gebrauch.
1367 rückt eine Streitmacht unter dem Bischof von Halberstadt, Albrecht III. und den verbündeten Städten Aschersleben, Quedlinburg und Halberstadt gegen die Domburg im Hakel vor, die dem Ritter Knesebeck gehört und der als Raubritter auf der Straße nach Magdeburg sein Unwesen treibt. Durch Lösegeld bewahrt er sich und seine Burg vor dem Untergang. Landlose Bauern, die einst bei den Rittern dienten, irren beschäftigungslos herum. Viel Rauben und Stehlen ist im Land.
1416 die Äbtissin Jutta von Bärenwinkel verpfändet 2 Hufen Acker. Aufbesserung der Finanzen.
1433 gehört Hedersleben den Herren Henning und Jan von Neindorf.
1449 die Äbtissin Wichmeyer legt dem neuen Probst Joh. Fahrling die ordentliche Führung der Register an's Herz.
1503 herrschte 5 Jahre eine giftige Krankheit, die Menschen und Vieh befiel.
1517 ein starkes Gewitter zerschlägt viele Feldfrüchte.
1525 Bauernkrieg. Die Dorf- und Stadtarmut dieser Gegend plündert die Klöster und steckt sie an. In Hedersleben trägt man Wurst, Speck und Betten davon. Die Reformation wird von den Hederslebener Bauern freudig begrüßt, denn man erhofft sich eine Besserung der religiösen und materiellen Situation.
1547 sind Vorräte im Kloster vorhanden, z.B. 100 Seiten Speck, 3 Rinder geräuchert, l Tonne Schweineklauen, 11/2 Tonnen Butter, 5 Tonnen Käse, l Wispel Mehl, 11/2 Wispel Roggen, 23 Wispel Gerste, 29 Wispel Hafer (l Wispel hatte in Sachsen 2491,89 Liter). An Zugvieh: 13 Wagenpferde, 21 Wilde, 10 Fohlen, 96 Kühe, 320 Melkschafe, 160 Hammel, 80 Jährlinge. Für die Aussaat: 21/2 Wispel Weizen, 10 Wispel Roggen, 31 Wispel Gerste, 25 Wispel Hafer.
1560 wird Methusalem Reichert, ein Pfarrer, der aus Wittenberg kommt, als erster Lehrer eingestellt.
Die Äbtissin gibt nach und so können die neuen Prediger des evangelischen Glaubens auf die Kanzel geführt werden.
Hedersleben hatte somit eine Parochial- und Simultankirche zugleich.
Beide Konfessionen benutzen die Gebäude der katholischen Kirche 154 Jahre von 1560 bis 1713/14 für die Verkündung ihres Glaubens.
1577 wird erstmals ein Hopfenberg genannt. Zur Begrenzung der Hopfenpflanzung werden Wällerwände errichtet, die aus Astwerk und Lehm bestehen.
1598 ein Krüger (Krugwirt) pachtet eine Scheune neben dem Rathaus.
1599 an 2 Adventssonntagen müssen die Abgaben an die Gemeinde entrichtet werden. Es gibt im Krug Freibier.
1609 wird dem Zimmermann Andreas Gauß ein Betrag von 28 Taler für Reparaturen am Schulgebäude gezahlt.
1610 erhält ein Wällermeister für 3 Tage Arbeit l Florinen. Die Wällerwände waren aus Lehm. Den Schlüssel für die Kirchenkasse hatte Bastian Quandt.
1616 hat das Kloster einen eigenen Fischer.
1618 Die Konfrontation zwischen Fortschritt und Reaktion bricht mit dem 30jährigen Krieg aus. Das Bistum Halberstadt gilt als "fettes Stift" und hat dementsprechend stark zu leiden. Der langsame Totentanz der europäischen Völker auf deutschem Boden verhindert eine anstehende Aufwärtsentwicklung um mindestens ein Jahrhundert.
1620 Reparatur der Klostermühle.
1622 sind bei Hans Boltze in der Schützenstr. 100 Soldaten einquartiert, die tüchtig die Becher geschwenkt haben.
1624 80 Schafe werden dem Kloster gestohlen und zwei große Kupferkessel.
1629 brennt das Brauhaus ab. Die Braugerechtigkeit besitzt das Kloster, Broyhan und Covent werden gebraut.
1648 von 753 Einwohnern leben noch 176, d.h. nur noch 25 % der Einwohner sind noch am Leben. Die meisten der Ackerhöfe sind vernichtet, die Felder verwüstet. Auch das Kloster ist stark verwüstet.
1631 - 1636 weilt allein der Verwalter Albert Töppelmann auf dem Klostergut. Das Kloster wird schwer beschädigt.
1633 wird die Äbtissin im Alter von 39 Jahren von einem schwedischen Oberst entführt und taucht noch einmal als bettelnde Magd vor der Kirche des Klosters auf. Für die Schweden sind die Nonnen vogelfrei.

"Die Äbtissin Elisabeth Reckweg (1637) liebt das Haus des Probstes mehr als die klösterlichen Schranken".

Dieser Satz beweist die Verwilderung der Sitten in diesem langen Krieg. "Hedersleben wird die Brandstätte eines schmählichen

Feuers. In einer Nacht entsprangen 5 Nonnen, 4 eingekleidete und eine Laienschwester aus dem Kloster."

Dieser Satz besagt, dass man in den Klostermauern nicht mehr sicher wahr.

1637 werden die Fenster und Türen des Klosters zerschlagen, einige Räume ausgebrannt.
1648 Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erhält das Bistum Halberstadt. Die Huldigung erfolgt am 2.4.1650 in Halberstadt, Vertreter des Ortes Hedersleben waren zugegen. Das Land ist leer - die Produktivkraft Mensch dahingeschmolzen. Das Einladungsedikt von Potsdam vom 29.10.1685 setzt eine 100 Jahre dauernde Einwanderungspolitik in Gang. Contributionen gehen in reguläre Steuerforderungen über, die von den Bauern nicht hingenommen wurden. Man pocht auf alte Rechte und will alles bei der "vorigen Gerechtigkeit" belassen. Forderungen um den "dritten Pfennig" will der Amtmann in Gatersleben durchsetzen.

An der Spitze eines Hauptamts steht der Amtshauptmann, der dem begüterten Adel angehört. Seine Stellung ist fast selbständig und unabhängig. Er ist oberster Richter, oberste Polizeibehörde, Domänenverwalter, oberster Steuerbeamter, oberste militärische Instanz und oberster Verwaltungsbeamter. Ihm zur Seite steht der Amtsschreiber, der die laufenden Geschäfte führt, die jährlichen Amtsrechnungen anfertigt und den Amtshauptmann vertritt. Unter Friedrich Wilhelm dem Großen Kurfürsten und seinem Nachfolger beginnt man die Macht- und Verwaltungsbefugnisse des Amtshauptmannes einzuschränken.

1653 gibt es ein "Mahleisen" zur Kennzeichnung der hölzernen Humpen.
1654 zieht in das Dorf ein Forstbeamter, der Johann Sorge heißt und das Bauernmahl der Gemeinde geben musste. Es bestand in der Zahlung von 2 Talern.
1655 ist Steffen Wöhler Bauernmeister der Kossaten.
1661 pflügt Jonas Jahns einen Grenzstein um. Er muss ein Fass Bier für 4 Taler spendieren.
1662 macht Ulrich Siemon eine Gaststube in seinem Hause auf (Schulstraße 2).
1671 leisten die Vollspänner, Halbspänner, Spitzspänner und Kossaten Hand- und Spanndienste für das Amt in Gatersleben, die für jeden Bauern genau festgelegt waren. Die Spanndienste müssen Getreide, Heu, Mist, Holz usw. fahren, müssen pflügen und eggen. Die Handdienste müssen mähen, binden, dreschen, graben, Steine lesen, klümpern, Hof- und Gartenarbeit tun, Zäune machen, Seile und Weidenruten zum Binden bereiten und Botenwege gehen. Die zu leistenden Abgaben sind:

- das Rauchhuhn, respektive Rauchgans (musste von jeder Feuerstatt eines Hauses geleistet werden)

- Schoß, war eine Abgabe von Gebäuden, Weiden und anderem Besitz. Den Schoß bezahlte jeder der Teilhaber zu gleichem Anteil.

- Erbenzins (Meyerackerzins oder einfach Erbzins) wurde vom Acker gezahlt.

- Maikühe, ursprünglich in natura im Mai zu liefern

- Zehnten, ursprünglich der Kirche zu leisten (jede zehnte Garbe wurde abgeliefert)

- Fräuleinssteuer, bei der Heirat der Tochter des Hauses

- Weidegeld für die Hirten des Dorfes.

Um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert führt König Friedrich I. eine straffe Rechnungsführung ein. Die Gemeinden müssen über Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft vor dem Amtmann in Gatersleben ablegen. Die beiden Gastwirtschaften (oberer und unterer Krug) bringen die größten Posten der Einnahme.

 1680/81 wird die Einziehung der Kontributionsgefälle den Schoßeinnehmern übertragen.
1681 haben die Jäger im Krug getrunken.
1694 wird ein Schafstall auf dem Klostergut gebaut.
1701 Am 18. Januar gibt es 2 Fass Freibier für alle, und zwar anlässlich der Krönung Kurfürst Friedrich III. zum König Friedrich I. Der Zöllner, der an der Thiepforte wohnt, nimmt nicht nur Wegezoll, er verkauft auch Bier und Branntwein, was ihm aber untersagt wird.

Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und dem Kloster über Viehtrift und Fischerei müssen von den eingesetzten Kommissionen geschlichtet werden. Außerdem streitet man sich mit den Nachbardörfern Rodersdorf und Heteborn über den Verlauf der Grenze der Feldmark. Die beiden Klosterhöfe der Klöster Hedersleben und Adersleben sind von den Einquartierungen teilweise verschont worden, was den Ärger der anderen Bauern verursacht.

1708 verfügt die Regierung, dass die Bauern ihr Korn nicht mehr in der Klostermühle mahlen lassen dürfen. Die Bergmühle und die Rodersdorfer Mühlen sind dafür in Zukunft zuständig.
1709 wird durch Heinrich Priegnitz die Angermühle gebaut, obwohl die Gemeinde dagegen ist. Es ging dem Staat um die Pachtgelder, da er solche Verfügungen erließ. Die Klostermühle darf nur noch vom Kloster genutzt werden.
1710 Die Leineweberei entwickelt sich zu einem wichtigen Produktionszweig im Ort und hat im nächsten Jahrhundert 45 Leineweber aufzuweisen. Obwohl die Äbtissin Lutgardis Kragen von diesem Zeug nichts wissen wollte, hat sie später mit eigenen Händen Leinen hergestellt.
1712 Am 16.8. kommt es zu einer Störung des evangelischen Gottesdienstes in der alten Kirche und zu Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern des katholischen Klosters und der evangelischen Gemeinde. Die Nonnen, die auf der Empore einer Katechismusübung beiwohnen, empören sich durch Zwischenrufe über den Tatbestand, wer im Gebet anzurufen sei, der dreieinige Gott oder auch die Heiligen. Nach einem Jahr müssen die Nonnen Abbitte tun und außerdem 50 Taler Strafe zahlen, die für den Neubau einer evangelischen Kirche mitverwendet werden. In Hedersleben gibt es eine Salpeterhütte in der Hüttenstraße und die Wällerwände zur Abgrenzung von Gärten und Höfen dürfen nicht durch Steinmauern ersetzt werden, da diese Wällerwände (Lehm) Salpeter ausschwitzen, der zur Pulverbereitung benötigt wird und mit Fuhrwerken nach Potsdam und Berlin gebracht wird.
1713 wird die Königlich Preußische Nationalfamilie aufgelöst und damit die Kompetenzen des Amthauptmannes eingeschränkt. Unter König Friedrich Wilhelm I. gibt es einschneidende Veränderungen auf dem Gebiet der Lokalverwaltung. Verdiente Offiziere erhalten oft dieses Amt, die dieses als Pfründe nutzen. Mit der Einführung des Leipziger Münzfußes tritt eine Münzverschlechterung ein (Geldentwertung). Ende des 17. Jahrhunderts werden Pferde gut bezahlt und die Pferdezucht nimmt zu, zumal Pferde und Stückknechte an die

Regierung geliefert und ausgerüstet werden müssen, da diese für die Artillerie gebraucht werden (Errichtung eines stehenden Heeres). Die evangelische Kirche wird gebaut.

Ab 1716 Einführung der Schulpflicht. Johann Mathias von der Schulenburg (Reichsgraf und Feldmarschall) gebürtig in Emden bei Erxleben bewahrt das dekadente Venedig vor der Vernichtung durch die Türken. Er stärkt damit Prinz Eugen in seinen Entscheidungen.
1718 brennt die evangelische Pfarrscheune ab; 1727 Wiederaufbau.
1719 Vollendung des evangelischen Kirchenbaus für 2000 Taler.
1720 eine "Holländisch reitende" Post wird in Halberstadt genannt.
1721 Der Probst Paulus Bath, der die Verwaltung des Klosters leitet, baut das Kloster größer aus. Das Schlafhaus (Westflügel) wird begonnen und 1747 gehen die Arbeiten am Südflügel weiter, so dass das Kloster ein Quadrat bildet.
1727 tritt ein Befehl des Königs Friedrich Wilhelm I. in Kraft, der lautet, dass die Untertanen nicht mehr geschlagen werden dürfen, sondern mit Geld gestraft werden sollen.

Einige Amtleute in Gatersleben gehen mitunter nicht zimperlich mit den Bauern um und schlagen drein, wenn ihnen etwas nicht passt. Willkürakte waren in der Regel nicht üblich.

1729 kauft der Halbspänner Alexander Meier die Angermühle.
1732 zieht eine Kolonne von Salzburgern durch den Ort, die eine neue Heimat suchen. Die Bauern von Hedersleben müssen mit ihren Pferden Vorspanndienste leisten.
1733 wird auf dem Klostergut die neue Meierei und das Brauhaus zu bauen begonnen.
1735 etabliert sich der erste Bäcker, der im Gemeindebackhaus seine Tätigkeit aufnimmt.
1738 wird das alte Hopfenhaus abgerissen und ein neues gebaut (Frakerei). Bau einer Mauer um den Wietsgarten (von vitis = Weingarten).
1740 Auf Befehl Friedrich II. wird die Folter abgeschafft, aber das Spießrutenlaufen ist noch gebräuchlich. Zwei Nachbarsöhne, die auf Befehl ausgehoben werden, müssen in der Schenke bewacht werden, bevor man sie nach Halberstadt bringt. Zwei Ausschusssoldaten erhalten je 2 Taler Handgeld und werden nach Halberstadt gebracht, wo der Geschworene dem Sergeanten noch 2 Taler zusteckt, damit sie als Soldaten angenommen werden. Eines Tages müssen sämtliche Pferde nach Gatersleben zum Amt gebracht werden, wo man die geeigneten Pferde als Stückpferde aussortiert. Die Geschworenen haben Befehl, jeden Mann, der für die Armee vorgesehen ist, aber sich dem Dienst entziehen will, gewaltsam einzufangen.
1745 müssen die Klöster des Bistums 7.000 Taler gegen Zinsen an den König zahlen, die für Kriegszwecke verwendet werden. Das Kloster Hedersleben zahlt 575 Taler.
1748 Die Frontage werden begrenzt.
1750 Die Richter und die Geschworenen sowie einige Nachbarn haben auf dem Acker Grenzsteine gesetzt. Kriegsrat Goecking kontrolliert die Quittungsbücher. Ein Findelkind wird aufgelesen. 2 Reiter (Soldaten) sind aus dem Ort desertiert.
1751 Der älteste Bauermeister ist Christian Hupen (alter Ortsname aus dem Raum Hannover). Im Gasthof (Jordanstr.) spricht man über die Vagabunden.
1752 Der evangelische Pastor Johann Andreas Hartrott ist von Frau Krüger eines unzüchtigen Umgangs beschuldigt worden. Die Unruhe unter der Bevölkerung ist gestiegen, die Frauen verbünden sich und sperren die Kirchentüren, so dass der Pastor keine Kirche halten kann. Einige Frauen werden in Gatersleben arretiert. Nach einigen Jahren muss der Pastor suspendiert werden. Richter Andreas Bodenstein muss beim Amtmann in Gatersleben vorsprechen.

Der Gemeindediener muss aus Halberstadt die Intelligenzblätter (Anzeigenblätter) holen. Am 5. Mai bekommen die Armen von der Gemeinde eine Spende.

1752 Zuchtrinder des Ortes stehen bei folgenden Bauern: Andreas Ziemann, Joh.Martin Jahns, Christian Preyne, Joh. Heinrich Robrak, Christoph Becker, Hochlöblich Huholds, Joh. Overbeck. Jeder Steuerzahler muss seine Veränderungen im Hausstand darlegen. Geschworene übernehmen die Steuererklärungen.
1753 Der große Damm führt nach Wegeleben und er muss oft mit Steinen ausgebessert werden. Wer durch Wegeleben fährt, muss Zoll bezahlen. Eine Tabelle über die Gebäude geht an das Amt in Gatersleben. Wolle aus Hedersleben darf nicht in das Ausland verkauft werden. Der Fleischverkauf der Schlächter wird überwacht. Eine Prinzessin von Ansbach fährt durch den Ort und ein Bauer muss Vorspann leisten.
1754 das alte Feldregister ist nach Ermsleben gebracht worden. Die Häuser werden manieriert. Schmiede und Stellmacherei des Klosters liegen in der Schulstraße. Die Viehseuche geht um. Hirten dürfen nicht im Hakel hüten. Am 13. Juni fährt Friedrich der Große durch Hedersleben. Er hatte in Heteborn auf der Domäne übernachtet und lässt die Kutsche auf dem Markberg halten. Er genießt den herrlichen Blick ins Harzvorland. Sein Weg führt weiter über Quedlinburg und zum Harz.
1755 ist Michel Wesche Bauermeister.
1757 Am 2. Oktober marschieren die ersten Franzosen in Hedersleben ein, denn schon im Vorjahr hat der siebenjährige Krieg begonnen. 60.000 Soldaten liegen in Halberstadt. Raub und Plünderungen sind an der Tagesordnung. Die Bauern müssen große Mengen von Getreide liefern, in 2 1/2 Monaten entsteht den 782 Einwohnern der Gemeinde ein Schaden von 9.000 Talern. Ein Zimmermann verdient am Tage 7 Groschen, ein Leutnant pro Woche 2 Taler.
1758 liegen preußische Dragoner und Husaren eines Leibregimentes hier in den Quartieren. Die französische Besatzung des Regensteins ergibt sich. Jeder Ackermann muss 5 Taler und jeder Mietling 12 Groschen Contributionen (Kriegssteuer) geben.
1759 wird den Klöstern der "zehnte Pfennig" als Steuer auferlegt. Das Kloster Hedersleben wird geschätzt auf 1649 Taler, 12 Groschen und 5 Pfennig. Es muss monatlich 51 Taler zahlen.

Der Angermüller Maier heiratet Clara Elisabeth Bindseil. Sie ist die Tochter des Müllers der Bergmühle.

1759 werden die Steuern für die Ackerleute erhöht. Der Ackermann zahlt 16 Taler und der Kossat 6 Taler. Naturallieferungen gehen an die preußische Armee weiter. Das Kloster muss 15 Wispel Hafer, 7 1/2 Wispel Gerste und 7 1/2 Wispel Roggen geben.

In diesem Jahr erscheint die Reichsarmee und fordert grausam Contributionen, wozu das Kloster 185 Taler, 3 Groschen und 4 Pfennig beitragen muss.

Friedrich II. erlässt eine Feldordnung zur Abschaffung von Missbräuchen im Feldbau, der Hütung und Weide. Ein Strafregister ist angefügt. Geldstrafen und Hiebe werden verordnet.

1760 bleibt eine Postkutsche im hohlen Weg in Hedersleben stecken. Die Soldaten vom Hülsischen Regiment müssen sich zum Dienst stellen. Billingische Husaren und Husaren vom Regiment Covatsch sind hier. Es wird tüchtig gezecht.
1764 wird die alte Probstei des Klosters eingerissen, eine neue wird errichtet.
1766 wird ein neues Schulhaus gebaut. Lehrer ist Christoph Heise, der aus Hedersleben stammt.
1770 werden die Spann- und Handdienste der Bauern durch Geld abgelöst.
1773 wird das Portal des Äbtissinnenflügels errichtet. Dieser trägt die Inschrift: Der Stuhl Gertruds, die verehrungswürdige Wohnung der Gottgeweihten, stehe sicher auf der Erde und sehr wohlgefällig dem Himmel.
1775 ertrinkt Margaretha Raehlerts, eine Magd des Ackermanns Preimen, in der Bode.
1779 Am 30. Mai wird ein Friedensfest gefeiert. Reiter des Dorfes veranstalten eine Kirchenparade.
1780 wird das große Torhaus errichtet und desgleichen die Toreinfahrt von der Mühlenstraße her.
1783/84 Bergmüller Bindseil realisiert ein Bauvorhaben.
1784/85 Otto Becker ist Gemeindevorsteher, Kossat und Maurermeister. Gemeindebäcker ist Christian Becker. Der Gastwirt ist Bodenstein. Der Kantor heißt Feckenstedt. Spritzenmacher und Spritzenwärter halten die Geräte in Ordnung. Der Kaufmann des Ortes heißt Bokke. Am 9. Februar Wegeausbesserung, denn eine königliche Prinzessin fährt hier durch. Richter Stockmann und Overbeck fahren nach Halberstadt, denn ein zweites Backhaus soll errichtet werden.
1785 am 8. Januar müssen die Grasmayerpferde des Königs zurückgeführt werden. Der Feldscher heißt H. Hassel.
1786 erfolgt eine genaue Aufnahme der Grundstücke, wobei ein neues Hypothekenbuch angelegt wird. Ab 10. September werden die neuen Nummern an die Türen geschlagen.
1788 wird ein Mörder, der einen Jungen auf den Wiesen des Klosters erschlagen hatte, in Gatersleben mit dem Schwert hingerichtet. Eine riesige Menschenmenge ist zugegen.
1789 Revision der Salzbücher durch Kriegsrat von Vogelsang. Das Kriegsamt in Gröningen erhält Geld für eine Maikuh (Steuer). Die Wochenzeitung "Gemeinnützige Blätter" berichten über den Ausbruch der Französischen Revolution.
1790 gehört Hedersleben zum Gericht in Ermsleben.
1796 Am 12. März muss eine Feuersbrunst bei Heinrich Schlägel in der Quedlinburger Straße gelöscht werden.

Am 16. April wird der Streit um die Weiden zwischen dem Kloster und der Gemeinde geschlichtet, die Weiden werden geteilt. Zwischen 1766 und 1770 kommen 14 Neusiedler hier an, die als Kossaten eingestuft werden.

1796 kommt ein zweiter Schub Neusiedler, der zahlenmäßig noch größer gewesen sein muss. Die Familie Lütjens stammt aus Brabant (belgisch, niederländisch). Über die Volkszugehörigkeit der Menschen ist ansonsten nichts vermerkt. Die Neusiedler erhalten eine Steuerfreiheit von 5-15 Jahren.

1804 Etwa 213 schulpflichtige Kinder sind in Hedersleben.
1805 sind teure Preise für das Korn. Tagelöhner begradigen die Selke in der Teuerung. Die Gemeinde zahlt dem Geometer H. Weske als Leitenden des Objektes, 49 Taler. Es sind Notstandsarbeiten, die die Gemeinde im Interesse der Ärmsten des Ortes durchführen lässt. Der Welthandel wird von England beherrscht.
1806 ist ein Schreckensjahr. Am 14. Oktober findet die Schlacht bei Jena und Auerstedt statt. Das veraltete preußische Heer erhält eine vernichtende Niederlage. Am 19. Oktober sind die Franzosen schon in Hedersleben. 20.000 Soldaten ziehen durch das Dorf. Die Verluste betragen 10.000 Taler.
1807 Am 23. Oktober wird das Fürstentum Halberstadt dem Königreich Westfalen unterstellt. Hedersleben gehört zum Saaledepartement, dessen Hauptstadt Halberstadt ist und zum Canton Wegeleben. Am l. und 2. März liegen hier 400 Italiener im Quartier.
1808 am 24.11. unterschreibt Friedrich Wilhelm III die veränderte Verfassung die obersten Verwaltungsbehörden betreffend. Preußen erhält damit eine neue Verwaltungseinheit: den Regierungsbezirk. Vom 12.12.1808 bis zum 14.03.1809 liegen 100 Franzosen im Winterquartier. Bürgermeister ist Maire Heinrich Wesche. Von 1808 bis 1818 herrscht eine Finanzkrise. Zu deren Überwindung wird eine langfristige Kreditanleihe im Ausland (Rothschild) aufgenommen. Spätere Wirtschaftsjahre werden durch Zinsen und Tilgungen belastet.
1810 Säkularisierung des Klosters, da König Jèrome, der Bruder Napoleons viel Geld benötigt. Das Kloster kommt an den Amtmann Heyne, der Großgrundbesitzer wird. Der Boden wird zum Spekulationsobjekt, l Leutnant und 24 Mann vom 57. Regiment liegen im Quartier. Die Klostermühle wird Privatbesitz. Das ehemalige Kloster besitzt 596 Hektar Land. Die Glaubensfreiheit kann beibehalten werden, wie auch die Gleichheit vor dem Gesetz verkündet wird.

Die Gewerbefreiheit wird eingeführt. Die Fruchtwechselwirtschaft wird angewendet.

1811 ein Detachement Cuirassiers von 23 Mann liegen im Winterquartier. Am 25. Juni bricht eine große Flut über den Ort herein und der Schlamm der Felder ergießt sich in das Dorf.
1812 Der Kossat Gottfried Huhold eröffnet einen Gasthof im Unterdorf, später der "Goldene Löwe".

Das Königreich Westfalen muss 610.000 Mann und 187.000 Pferde gegen Rußland stellen.

1813 ziehen im Februar flüchtige Franzosen durch, die krank und abgerissen sind. Die Bauern wollen den Franzosen eins aufdreschen, aber der Pastor mahnt zur Besonnenheit, was sich schließlich als gut erweist, denn ausgeruhte Truppenteile der Franzosen kommen noch in den Ort. 35 Hederslebener ziehen in die Freiheitskriege -Handwerker, Bauern und Arbeiter sind in der Mehrzahl. Im April ziehen die Franzosen durch den Ort. Es handelt sich um Artillerie und ein Garderegiment mit vielen hohen Offizieren. Napoleon soll dabei gewesen und in der Bergmühle genächtigt haben. Nach dem Abzug der Franzosen wird der preußische Adler wieder angeschlagen, die Musik spielt auf und man ist froher Dinge.

Am 30. Mai erscheinen die verbündeten Russen und ziehen durch, desgleichen im Juni. Im Winter quartieren Kosaken und haben hier Standquartier, der Abzug erfolgt am 10.03.1814. Am 3. September 1814 tritt das Gesetz über die Einführung der Landsturmpflicht in Kraft. Die Landwehr versieht einen 7-jährigen Dienst. Teilzeitarmee in der Heimatgemeinde.

1815 22.5. Verfassungsversprechen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Das in schwieriger Lage (Rückkehr Napoleons von Elba) gegebene Versprechen wird jedoch nicht eingehalten und führt in den nachfolgenden Jahrzehnten zu einem langjährigen zähen Kampf für eine Verfassung. Im Juli und August liegen preußische Soldaten im Quartier sowie im September Ostpreußen.
1816 Im Zuge der administrativen Neugliederung der preußischen Monarchie wird die Provinz Sachsen gebildet, deren Hauptstadt Magdeburg wird. An der Spitze der Provinz steht ein Oberpräsident.
1817-1891 regelmäßige Revisionen der Feuerstellen.

Beispielhafter Ausruf des Studenten Arminius Riemann beim Wartburgfest 1817: "Das deutsche Volk hatte schöne Hoffnungen gefasst, sie sind alle vereitelt; alles ist anders gekommen, als wir erwartet haben."

1818 Am 26. Mai tritt in Preußen ein freiheitliches Steuer- und Zollgesetz in Kraft. Die Zölle fallen zwischen den Provinzen weg. Damit wird Preußen zum Vorreiter des Deutschen Zollvereins.
1822 Die Gemeinde gibt Marken zur Verpflegung armer Reisender aus. Resignation breitet sich unter den Leuten aus, die am Befreiungskrieg teilgenommen haben; Abkehr vom politischen Leben. Im Zollhaus wird ein neuer Schulbau eingerichtet.
1823 Anstelle der 1815 vom König zugesagten Reichsstände (Parlament) werden die Provinzialstände einberufen und zwar laut Kabinettsorder vom 5.6.1823.

In Hedersleben werden neue Nummern an die Häuser geschlagen, der Ort wird von 1295 Einwohnern bewohnt. Der Flachsanbau steht in voller Blüte - 45 Leineweber gehen ihrem Gewerbe nach. Eine bestimmte Menge Salz musste dem Staat abgenommen werden. Aus der Salzniederlage in Quedlinburg wurde das Salz geholt und im Ort verteilt. Zur Kontrolle wurden Salzbücher angelegt.

Die große Glocke im Kirchturm springt entzwei. Am 7.11. wird der neue Begräbnisplatz eingeweiht.

1824 wird von 2 Besitzern des Klosters gesprochen und zwar von Heyne und Friedrich Richter. (Prozessakten aus Heteborn) Neuguss der Glocke durch Halberstädter Glockengießer.
1825 findet der erste Landtag der Provinz Sachsen statt. Das Gewerbe wächst stark an.
1833 Schnellpost von Berlin - Magdeburg - Quedlinburg - Nordhausen - Kassel (wahrscheinlich über Hedersleben)
1834 tritt der Deutsche Zollverein in Kraft - erstmals wirtschaftliche Vereinigung Deutschlands.
1835 errichtet Kaufmann Hanewald die erste Zuckerfabrik in Quedlinburg. In bäuerlichen Betrieben entstehen Saftkochereien, die über 120 Jahre arbeiteten. Hedersleber Rübensaft war im Umkreis von 50 Kilometern gut bekannt und geschätzt. Mindestens 10 solcher Kleinbetriebe sind tätig. Schon am Ende des 18. Jahrhunderts kochte man das "Saft" aus Turnips (Rüben) und Mohren, aber in kleinen Mengen. Die Saftpresse war damals noch aus einem dicken Pappelbaum gefertigt. Saftkocher im 20. Jahrhundert waren: Karl Obermann, Richard Zogbaum, Richard Ziemann, Albert Hüttepohl, Karl Becker, Fritz Blath, Joh. Küster, Wienert, Fritz Becker und Brinkmann.
1840/42 wird eine feste Straße von Suderode bis Kroppenstedt mit einem Anschluss nach Hausneindorf gebaut. Das preußische Straßenbauprogramm spiegelt die verbesserte Situation des Landes wieder. Die Maschinenfabrik Borsig in Berlin liefert die erste Lokomotive. Erster Streik der Eisenbahnbauer in Halberstadt durch die Eisenbahnbauer.
1843 wird das Kloster in Ober- und Unterkloster geteilt. Die Söhne Karl und Friedrich Heyne sind die Erben. Der Müller Friedrich Zimmermann (1813 -1870) sitzt 1843 auf der Angermühle. 1845 heiratet er Dorothee Huhold, die ihm 10 Kinder gebar.
1846 herrscht eine große Dürre - Hungersnot ist die Folge. Fast alle Kornvorräte vergriffen. Ortsvorsteher Brinkmann veranlasst, Kartoffeln für die Armen zu kaufen und lässt Brot verteilen. Die Klassensteuer wird von Mai bis Juni ausgesetzt. Bau der dritten katholischen Pfarrkirche, die aber kleiner wird als ihre Vorgängerin.
1847 gibt es eine Militärstammrolle. Eine Volkszählung weist 1428 Einwohner in Hedersleben nach. Der Landwehr-Kriegerverein wird am 18. April gegründet. Die Gründer sind angesehene und wohlhabende Einwohner des Ortes. Allgemeine Wirtschaftskrise und eine Serie von Missernten. Allgemeine Notlage.
1847 - 63 Bau des katholischen Pfarr- und Schulhauses.
1848 Märzrevolution in Berlin - Begeisterung der Bevölkerung. Am 18. Mai tritt die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt(Main) zusammen. Die Hederslebener hoffen auf Pressefreiheit, deutsches Recht, Volksbewaffnung und ein deutsches Parlament.
1849 Aufhebung des Patrimonial-Gerichts, Umwandlung in eine Gerichtsdeputation.
1850 wird eine Zuckerfabrik in Hedersleben gebaut, da die Standortbedingungen günstig waren. Die Firma heißt Berge, Braun und Comp. Es ist die 31. Zuckerfabrik im Harzvorland. Aus Westfalen wandern Arbeiter ein, z.B. die Familie Bruckert.
1853 heißt der Müller der Bergmühle Friedrich Spelling
1854 Leute, die eine Ehe schließen, zahlen ein Hausstandsgeld. Der Landwehr - Kriegerverein hat 92 Mitglieder.
1856 ein neues Schulhaus mit zwei Klassen und zwei Lehrerwohnungen wird gebaut.
1864/65 wird die Eisenbahnlinie Aschersleben-Halberstadt gebaut und eine Postexpedition errichtet. Der Kaufmann Fallenstein ist erster Expeditient. Die Einführung der Eisenbahn krönt die Entwicklung des preußischen Transportwesens. Die verbesserte Dreifelderwirtschaft wird durch die Fruchtwechselwirtschaft (nach englischem Vorbild) abgelöst.
1866 Bau einer Brücke auf dem Mühlenanger.
1865 sucht eine große Trichinenepidemie den Ort heim. Vom 3.11.1865 bis 9.1.1866 sterben 73 Gemeindemitglieder. Von 2000 Einwohnern erkranken 337 (ein Sechstel). Ein ärztliche Kommission untersucht erstmals in Deutschland die Trichinose. Das Fleischbeschaugesetz wird aber erst 1902 erlassen. Friedrich Becker war Schlachter in der Jordanstr. (Bäcker Heine). Man gibt ihm die Schuld am Tod der 73 Einwohner. Aus Gram ist er bald gestorben und hinterlässt 2 Kinder, die in ein christliches Waisenhaus kommen. (Im Jahre 1988 kam ein Fleischermeister Becker aus Beelitz nach Hedersleben, um Einzelheiten über die Trichinenepidemie zu erfahren, da er ein Verwandter war.)
1870 Andreas Heucke betreibt ein Dampfpflug-Lohngeschäft in Hausneindorf und gründet später (1884) eine eigene Fabrik.
1870/71 Krieg gegen Frankreich. 60 Soldaten aus Hedersleben haben die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht. 3 Krieger aus Hedersleben fielen. Am 1.9.1870 Schlacht bei Sedan. Napoleon III. gerät in Gefangenschaft. Kaiserreich in Frankreich abgeschafft. Am 18.1.1871 Kaiserkrönung von König Wilhelm von Preußen. Bismarks Politik prägt Europa. Deutschland erhält ein einheitliches Recht und ein einheitliches Münzwesen (Geldwährung), sowie eine gemeinnützige Arbeiterschutzgesetzgebung. Kreise und Provinzen erhalten Selbstverwaltung.
1874 wird der Weg nach Rodersdorf zur Chaussee ausgebaut.
1875 beteiligt sich Hermann Heyer aus Hausneindorf an der Zuckerfabrik von Heyne in Hedersleben, die künftig als Heyne, Heyer und Co. firmiert.
1874-1899 erfolgt die Bebauung der Magdeburger Straße. Im Volksmund wird dieses Vorhaben als "die Neue Sorge" bezeichnet.
1876 wird die Zuckerfabrik vergrößert. Am 1.1. wird die Goldwährung (Marksystem) eingeführt. Neue Justizverfassung - Prozessrecht wird eingeführt.
1877 wird das Gesetz der Mannlehneigenschaft aufgehoben. Das Lehnfolgerecht war regelmäßig auf den Mannesstamm beschränkt. Lehn ist das ausgedehnteste erbliche Nutzungsrecht an einer fremden Sache, das sich auf eine Verleihung seitens des Eigentümers gründet (meistens Grundstücke). Seit dem frühen Mittelalter in Anwendung.
1878 gehen die Rittergüter in das Eigentum der Belehnten über. Hedersleben wird ein eigener Amtsbezirk. Ein weiteres Schulhaus wird gebaut, ein Jahr später wird die 4. evangelische Lehrstelle errichtet. Hedersleben und Wedderstedt erhalten gegen Bezahlung von 10.000,- Mark einen Bahnhof. Neuer Schulhausbau in der Schulstraße begonnen.
1879 erfolgt die Regelung über Einquartierung und Verpflegung von Truppenteilen sowie Fourage und Vorspann.

Die vierte evangelische Lehrstelle wird errichtet.

1882 wird im alten Zollhaus der erste Kindergarten errichtet. Frau Becker ist die erste Kindergärtnerin.
1884 Hedersleben und Wedderstedt erhalten einen neuen Bahnhof. Die Mühlstraße wird neu gepflastert.
1885 Die Ritterstraße wird neu gepflastert. Die in dieser liegende Ritterburg war das bedeutendste Haus dieser Straße und gehörte einst zum Kloster.
1885-91 Einführung einer Gemeindevertretung. Der Schriftsteller Paul Schaumburg wohnte in der Magdeburger Straße, Nähe Post. Er schrieb viele Romane - "Die Wetterstädter" und "Die heilige

Scholle" schildern das Leben der Bauern in vergangener Zeit. Er starb in Wedderstedt.

1888 Erbauung einer katholischen Schule und einer Lehrerwohnung. Kaiser Wilhelm I stirbt. Sein Sohn Kaiser Friedrich III stirbt nur ein Vierteljahr später.
1889 Neubau des vierten evangelischen Schulhauses nebst Wohnung.
Wilhelm II. führt die Alters- und Invalidenversicherung ein.
1890 nach der Volkszählung hat Hedersleben 2.614 Einwohner.

Die Klostermühle brennt.

1891 Errichtung der fünften evangelischen Lehrstelle. Handwerk und Gewerbe sind in unserem Ort eng mit der Landwirtschaft verknüpft.
1892 Fritz von Dippe aus Quedlinburg kauft das Gut von den Erben Heynes auf und tritt somit als reichster Grundbesitzer in der Region auf. Nach Einführung der Landgemeinde-Ordnung vom 3. Juli 1891 besteht die Gemeindevertretung aus dem Amtsvorsteher und Ortschulzen, 4 Schöffen und 15 Vertretern, die unmittelbar und in geheimer Wahl gewählt wurden.
1893 Bildung des katholischen Gesangvereins "Cecilia".

Hedersleben verfügt über einen beträchtlichen Viehbestand: 138 Pferde, 520 Stück Rindvieh, 1284 Schafe, 752 Schweine und 502 Ziegen.

Zwei Kompanien (12. und 13. Kompanie) des Infanterie-Regiments Nr. 66 aus Magdeburg unter Oberst Hartog feiern im Ort das Sedanfest auf dem Schützenplatz.

1895 hat Hedersleben 347 Häuser.

Der Turnverein "Guts Muths" wird gegründet. Der Landwehr-Kriegerverein hat die Zahl seiner Mitglieder auf 170 erhöht. Am 1. September wird die 25. Wiederkehr des Sedanstages im Dorf festlich begangen.

1898 stirbt der Reichsgründer Fürst Bismarck.
1899/1900 eine katholische Schule aus Backsteinen wird gebaut.

Ein Geschirrführerverein wird gegründet.

1900 von der Firma Heucke in Hausneindorf/Gatersleben wird der 100. Dampfpflug gebaut. (Revolutionierung des Pflügens) Die Firma Heyne und Herzger erhält die Genehmigung zur Anlage eines feststehenden Dampfkessels. Am l. April tritt die Gewerbeordnung in Kraft, die das Lehrlingswesen in gesetzlichen Vorschriften regelt. Bau eines kleinen katholischen Schulhauses mit einer Klasse und Lehrerwohnung.
1902-1910 Montage des elektrischen Lichtnetzes in Hedersleben.
1904 Bildung eines landwirtschaftlichen Kreisvereins sowie einer freien Bäckerinnung.
1906 ein Ortsstatut für die Straßenreinigung wird erlassen.
1907 ein neues Bahnhofgebäude mit neuen Bahnsteigen und einem Tunnel werden gebaut, da der alte Bahnhof nicht mehr den Anforderungen genügte. Die Klostermühle ist nicht mehr in Betrieb. Ein Dynamo, angetrieben durch Wasserkraft, liefert elektrisches Licht für die Gutsbesitzer Heyne und Schrader. Hederslebener Arbeiter beginnen bei Andreas Heucke in Gatersleben Dampfpflüge zu bauen.
1908 Der Angermüller Zimmermann baut in seine Mühle eine Wasserturbine ein, es ist aber auch Dampfbetrieb möglich. Später wird ein Diesel aufgestellt.

Das Wasser von Bode und Selke ist noch klar, ein reicher Fischbesatz ist anzutreffen. Fischereirechte besitzen reiche Bürger und Bauern. Die Bergmühle mahlt und schrotet noch. Zum ersten Mal steht ein Rektor der evangelischen Schule vor. Es ist Friedrich Siebert.

1909 der Männergesangsverein "Liedertafel" wird gegründet.
1910 wird Hedersleben an die Elektroenergieversorgung angeschlossen

- bis dahin gab es nur Petroleumlampen.

Der Radfahrerverein "Hoffnung" wird gegründet.

1910/1911 Bau der Bodebrücke aus Stein, bislang war nur eine Holzbrücke vorhanden. Bauvorhaben des Müllers Riese in der Bergmühle.
1911 Volkszählung.

Hausschlachtungen finden fast in jedem Haus statt. Spezialität ist die Semmelwurst mit viel Fett, Brägen und Rosinen, die wie Marzipan schmeckt.

In der Schule und im Umgang wird Plattdeutsch gesprochen (Ek hewe mek ob de Tunge beten).

Fast 90 % aller Kinder des Dorfes helfen tüchtig in der Landwirtschaft mit. Der Lohn beträgt 0,70 bis 1,00 Mark am Tag. Der Dreschflegel wird noch zum Erbsen- und Korndreschen verwendet, Flügelmäher oder Ableger sind Errungenschaften. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts werden Straßennamen im Dorf eingeführt, aber noch mit alter Nummerierung.

1914-1918 Viele Söhne der Gemeinde müssen in den 1. Weltkrieg ziehen, der unter den Hederslebenern 105 Opfer forderte. Am Kahlenberg werden von reichen Leuten (Firma Heyne & Co. sowie Firma Schrader) 6 Mietshäuser gebaut. Ab 1916 werden sämtliche Nahrungsmittel und Bedarfsgüter rationiert. Am 9.11.1918 verzichtet Kaiser Wilhelm II. auf den Thron, damit war die Monarchie gestürzt. Die Inflation beginnt schon 1918, von Tag zu Tag kommt es zu einer Steigerung der Preise und Löhne. 1923 rechnet man mit Billionen, die Lohnzahlung erfolgte täglich. Im November 1923 beträgt der Wert einer Rentenmark l Billion Papiermark. Von kleinsten Ackerleuten muß ein hohes Abgabesoll erbracht werden. Die Maul- und Klauenseuche fordert große Opfer. Die Ausfuhr von Kartoffeln wird verboten 'sowie Regelungen über Speise-, Futter- und Saatkartoffeln erlassen.
1919  

Am 4.2. 1919 werden Regelungen über den Anbauzwang und Lieferungen von Vieh erlassen. Infolge starken Konkurrenzdruckes muss die Zuckerfabrik schließen. Der Versailler Friedensvertrag vom 28.6.1919 bürdet Deutschland schwere Lasten auf und trägt den Keim neuer Kriege in sich. 1919/20 werden Einwohnerwehren gegründet. Staatsfeindliche Bestrebungen werden unterdrückt und Personen, die sich staatsfeindlich betätigten, beobachtet.

Am 15.12.1919 und am 6.6.1920 finden die ersten Wahlen statt, die eine sozialdemokratische Mehrheit in der Regierung brachten. Am 2. März findet in Hedersleben die Gemeindeverordnetenwahl statt.
Das Ergebnis:

Wahlvorschlag Heucke (bürgerliche Partei) 415 Stimmen, Wahlvorschlag Hüttepohl (katholische Partei) 120 Stimmen, Wahlvorschlag Siemenroth (soziale Partei) 345 Stimmen. Folgende Gemeindeverordnete werden gewählt:

a) von Wahlvorschlag Heucke waren es der Rentner Rudolf Heucke, der Landwirt Karl Struwe, der Postverwalter Wilhelm Böttger, der Fabrikbesitzer Chr. Reinhardt, der Landwirt Friedrich Schlägel, der Kaufmann Karl Struwe, der Zimmerermeister Gustav Becker.

b) von Wahlvorschlag Hüttepohl der Schuhmachermeister Josef Hüttepohl, der Landwirt Heinrich Christiani.

c) von Wahlvorschlag Siemenroth der Lagerhalter Karl Siemenroth, der Zimmererpolier Hermann Raulf, der Bahnarbeiter Karl Strohbach, der Metallarbeiter Ludwig Görns, der Zimmermann Friedrich Raulf und der Bergmann Anton Raulf. Wahlvorsteher war Herr Meier.

1920 Gründung des Gesellschaftsvereins "Frohsinn". Nach Einführung einer stabilen Währung setzt eine Scheinkonjunktur ein. Die Zahl der Saftfabriken steigt auf 16 an. Dann kommt die Zeit der großen Arbeitslosigkeit. 28 Menschen sind zeitweise ohne Erwerb.
1921 Flüchtlinge aus den Grenzgebieten im Osten müssen im Ort untergebracht werden. Oberschlesien wird vertragswidrig geteilt und ein Teil Polen zugesprochen.
1922 Die Zuckerfabrik, die vielen Bauhandwerkern im Winter eine ausreichende Versorgung bietet, wird wegen Überalterung stillgelegt und ausgeschlachtet.

Viele Handwerker gehören dem Gewerkschaftsbund an. Wanderschaften werden noch durchgeführt.

1923 findet ein Volksbegehren über die Fürstenabfindung statt, das teils zugunsten der Fürsten ausfällt.

Am 15.11.1923 wird die Rentenmark eingeführt, die Währung stabilisiert. Kriegsschulden müssen beglichen werden.

1923 - 32 Die Gemeinde vergibt Baugelände auf der Winkelbreite, der Quadratmeter Bauland kostet 0,45 Mark. Der Volksmund nennt die Siedlung "Kummerland", denn die Bauherren sind Habenichtse, aber sie haben Mut und sind fleißig.
1928 Der Pachtvertrag zwischen Heyne und den Erben Heyers (Dippe) endet. Die Firma Heyne, Heyer und Co. baut den ersten Traktor, einen Schlepper mit 40 PS.

Die Dörfer der Umgebung liefern bis zu diesem Jahr ihre Zuckerrüben in die ehemalige Zuckerfabrik an. Hier werden sie gewaschen und dann an andere Zuckerfabriken geliefert. Der Besitzer des Oberklosters, Schrader, Enkelsohn von Heyne, bewirtschaftet sein Land wieder selber. Er betreibt davor eine Wirtschaft in Ditfurt. Da seine Frau eine Tochter des Fabrikbesitzers Heucke ist, wird sein Acker mit Dampfpflügen bearbeitet.

1928/29 Eine Güterlokomotive bricht auf der ersten Eisenbahnbrücke in Richtung Halberstadt ein.

Die drei Männergesangsvereine halten in jedem Jahr ein Liederfest ab. Am 3. Pfingsttag ist immer ein großes Treffen an der Domburg, eine Militärkapelle spielt auf.

Ab 1929 werden Hochspannungsleitungen verlegt. Die Weltwirtschaftskrise beginnt. Im Juli jeden Jahres findet das Schützenfest statt. Der Schützen- und Hirschkönig wird mit Kleinkaliber ausgeschossen. Beide Schützenkönige werden mit Musik nach Hause gebracht.

Bei der Firma Heyne, Heyer & Co. werden zwei Lanz-Bulldogs eingestellt. Anfangs der 30er Jahre wird die ausgeschlachtete Zuckerfabrik zur Flachröste umgebaut, die ein wichtiger Produktionsbetrieb wird.

1930 geht der alte Rektor Friedrich Siebert in Rente. Er schrieb den Heimatroman "Die Angermühle".

Nachfolger von Siebert wird Fritz Brekorst, der im April 1931 in sein Amt eingeführt wird.

1932 hat Hedersleben 2231 Einwohner.

Hitler wird in Braunschweig zum Oberregierungsrat ernannt und damit wurde er deutscher Staatsbürger und konnte gewählt werden.

1933 am 30.01. wird Hitler Reichskanzler und durch ein Ermächtigungsgesetz reißt er die gesamte Staatsgewalt an sich. Den Bauern wurde eine Entschuldung ihrer Höfe geboten. Im Juni wird die SPD in Hedersleben aufgelöst. Die Landwirtschaft ging leicht zurück, da die meisten Bauernsöhne eingezogen wurden.
1938 Die Schulaufsichtsbezirke Aschersleben und Quedlinburg werden zusammengelegt. 228 Kinder besuchen in Hedersleben die Schule. Junge Leute werden zum Reichsarbeitsdienst gezogen und arbeiten an Wegen, Autobahnen und in der Melioration. Hitlerjugend und Jungvolk werden als Jugendorganisation in Hedersleben geschaffen. Die Anzahl der Mitglieder der NSDAP steigt in der Mitte der 30er Jahre an. Der Rundfunk wird das Sprachrohr der Partei. Der "Volksempfänger" steht in fast jedem Haus und ist ein wichtiges Instrument der Meinungsmanipulierung. Am 9.11. 1938 findet die Reichskristallnacht statt. Überall im Reich finden schreckliche Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung statt. Sie sind Folge der Verhetzung des Volkes durch eine skrupellose Propaganda und schädigen das Ansehen Deutschlands schwer.
1939 am l.4. findet die Zusammenlegung der evangelischen und der katholischen Schule statt, und zwar auf Genehmigung des Regierungspräsidenten. Im August beginnt nach Spannungen im Danziger Korridor der 2. Weltkrieg. Der Schulunterricht wird am 1.9. eingestellt. Es werden Bezugsscheine eingeführt. Die Verdunkelung wird angeordnet. Am 12.9. wird der Unterricht wieder aufgenommen. Englische Flugzeuge werfen auf Hedersleben Flugblätter ab.
1940 die Bergmühle stellt ihren Betrieb ein.

Am 10. Juli passiert eine motorisierte Division den Ort in Richtung Magdeburg. Am 15. und 16. Juli Flakfeuer. Wieder überfliegen englische Flugzeuge das Dorf. Die Engländer werfen Kartoffelkäfer ab und die Schuljugend muss tüchtig sammeln gehen. Kleider- und Seifenkarten werden ausgegeben. Die Schuljugend sammelt Altstoffe.

1942/43 Der Winter ist sehr kalt und das Brennmaterial knapp.

Papiermangel besteht.

1942 Kinder gehen auf die Felder und sammeln Ähren. Im November müssen alle Kinder in die Kartoffelernte. Es besteht ein Gefangenenlager, die Gefangenen arbeiten in der Landwirtschaft. Das Gefangenenlager wird aus dem Ratskrug am 10.12. in das Schützenhaus verlegt.
1944 Am 21.1. detoniert um 23.00 Uhr eine 20-Zentner-Bombe auf dem Unterkloster. 8 Menschen werden verletzt, 96 Schweine und 100 Schafe getötet. Im April heftige Luftkämpfe über Hedersleben. 1944/45 kommen 30 bis 40 Zwangsarbeiter (Halbjuden) in Hedersleben in ein Lager und müssen eine Benzindestillationsanlage aufbauen.
1945  

bis zum 14. Januar sterben 51 Einwohner im 2. Weltkrieg. Nicht erfasst werden hierbei diejenigen, die aus der Gefangenschaft nicht zurückkehrten. 7 KZ-Insassen werden in Hedersleben erschossen, da sie ermattet waren.

Am 12.4. um 8.00 Uhr rollen amerikanische Truppen mit motorisierten Einheiten von Wegeleben kommend in Hedersleben ein. Am 8.5. ist der Krieg zu Ende, die Menschen atmen auf. Die Suche nach Verwandten beginnt. Am 1. Juli marschieren sowjetische Soldaten entsprechend den Vereinbarungen des Jaltaer Abkommens ein. Hilfspolizisten aus den Reihen der ehemaligen Zwangsarbeiter (Halbjuden) werden eingesetzt. Bürgermeister und Schulleiter, Oskar Freund aus Brieg wird eingesetzt. Noch in diesem Jahr (2.9.) wird mit der Bodenreform begonnen, Güter über 100 ha sowie Betriebe der Kriegsverbrecher unter 100 ha werden liquidiert. Enteignet werden:

Dippe (vormals Heyne) Schrader 100 ha und Walter Mahlfeld (unter 100 ha).

Über 48 Neubauern erhalten 571 ha Land zugesprochen. Im Dezember wird die VdgB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) gegründet. Die Einwohnerzahl der Gemeinde beträgt 2.400. Im Herbst 1945 beginnt die Schule wieder. Ab 1. Juli gehört der Ort zur Provinz Sachsen in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone).

1946 am 21.4. Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Im Ort gibt es 63 Mitglieder der SED.

Da nach 1945 Lehrermangel herrscht kommen im September 4 Neulehrer an die Schule: Edith Kowalzik, Ursel Klausnitzer, Wolfgang Lyss, Hans Marquard.

Bücher, Hefte und Schreibmaterialien gibt es kaum. Da das Dorf voller Flüchtlinge ist, muss aus Raumnot im Zweischichtsystem unterrichtet werden.

wird die "Provinz Sachsen" in der SBZ in "Provinz Sachsen-Anhalt" umbenannt, später erfolgt die Aufteilung in die Bezirke Halle und Magdeburg.

1947 gründen ehemalige Zwangsarbeiter und Umsiedler das Heimwerk. Es werden Igelitschuhe und Stiefel gefertigt. Langjähriger praktischer Arzt ist Dr. Schlamann, der in der Klosterstr. wohnt. In der Landwirtschaft sind tätig: 30 landlose Bauern (Neubauern), 25 Umsiedler, 20 landarme Bauern, 4 Kleinpächter und 204 Arbeiter und Angestellte. Erste eigene Landesverfassung beschlossen. Halle wird Hauptstadt von Sachsen-Anhalt.
1948 am 20.6. Währungsreform in den 3 Westzonen - am 23.6. Währungsreform in der SBZ: 300 Mark Umtausch. Beim Umtausch der Altkonten werden nur 10% des Guthabens gutgeschrieben. Umsiedler und Vertriebene ergreifen die Initiative und gründen eine Genossenschaft der Holzindustrie auf dem Kampgehöft. Es werden Möbel gefertigt, die einen guten Absatz finden. 498 Schüler besuchen die Schule, es sind jedoch nur 301 Sitzgelegenheiten vorhanden. Schichtunterricht von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr ist die Lösung.
1949 Am 20.3. wird die Westmark in Westberlin als alleingültiges Zahlungsmittel eingeführt.

Tierbestand im Ort: 100 Pferde, 81 Milchkühe, 207 sonstige Rinder, 690 Schweine, 291 Schafe, 285 Ziegen, 261 Kaninchen, 2175 St. Geflügel, 40 Bienenvölker.

Über die Zonengrenzen hinweg wird gehandelt. Grenzgänger bringen Heringe aus Hamburg in den Ort, an Schleichwegen an den russischen Posten vorbei.

Am 10. Proklamierung der DDR in Berlin.

1949/50 werden der Südwest-Flügel des Klosters wieder aufgebaut und die Räume des Klosters für Schulzwecke umgebaut. 2 Nonnenzellen ergeben einen Klassenraum.
1950/51 Das ehemalige Kloster wird von der Schule bezogen und die ehemaligen 5 Schulgebäude aufgegeben. 1952 findet die erste Elternbeiratswahl in der schönen Aula statt. Am 1.9.1950 wird die Hederslebener Schule Zentralschule. Schüler der Klassen des 5. - 8. Schuljahres kommen aus Wedderstedt hierher und auch im nächsten Jahr die Kinder aus Heteborn mit einem Behelfsbus. Am 1. März 1951 wird Rolf Thärig Direktor der Schule.
1952 Begleitet und massiv unterstützt durch eine anhaltende Kampagne der SED schließen sich am 10. November die ersten 5 Bauern zur LPG Typ I zusammen. Es sind: Walter Schwede, Werner Struwe, Willi Keune, Artur Meier, Walter Küster.

Im Zuge der Verwaltungsreform werden die Länder zerschlagen.

Es entstehen aus Sachsen-Anhalt die Bezirke Magdeburg und Halle. Hedersleben wird dem Bezirk Halle zugeordnet.

Beim Hauptgebäude des ehemaligen Klosters wird ein neuer Dachstuhl errichtet.

1953 MAS (Maschinenausleihstation) und MTS (Maschinen-Traktoren-Station) werden ins Leben gerufen.

Am 17. Juni Protest von Bauarbeitern in Berlin. In Hedersleben herrscht Unruhe. Der Ausnahmezustand wird proklamiert, die Russen besetzen wichtige strategische Punkte im Kreis. Mehrere Familien verlassen Hedersleben und gehen in den Westen.

1953-58 Sicherung des romanischen Kirchturms. Neugotische Aufbauten durch Zeltdach.
1954 Bildung der LPG Typ III "Fortschritt"

In den Jahren bis 1956 langsame Stabilisierung der schwachen LPG, erster Mähdrescher 1954 für Hedersleben.

1955 Aufbau einer Zehnklassenschule als erste Landschule des Kreises Aschersleben. Diese trägt die Bezeichnung Zentral- und Mittelschule. Schüler der 9. Klassen aus Hausneindorf und Gatersleben kommen dazu. Am 29.1. stürzt die Stakendecke der Aula ein.

Das Heimwerk wird umgewandelt in die PGH "Geschwister Scholl". Es werden Plasterzeugnisse hergestellt.

In den 50er und 60er Jahren wird das Kino gern besucht.

Vorführräume: Gastwirtschaft Rover und dann Ratskrug. Mit dem Aufkommen des Fernsehens gehen die Besucherzahlen zurück.

1956 Die erste Jugendweihe für Schüler der 8. Klassen wird durchgeführt, obwohl die Mehrzahl aller Schüler sich an der Konfirmation beteiligt. Der Religionsunterricht wird seit 1945 nicht mehr als Unterrichtsfach in der Schule erteilt. Dieser wird nunmehr von der evangelischen Kirche organisiert. Geschenke des Staates sollen die Jugendweihe als atheistische Konkurrenzveranstaltung zur Konfirmation attraktiver machen.

Im Innenhof der Schule wird ein Turn- und Sportfest durchgeführt. Die Bezugsscheine werden abgeschafft.

1958 Erstmals wird für die Klassen 7-10 der Unterricht in der Produktion bei der LPG "Fortschritt" durchgeführt. Der erste Rinderoffenstall wird fertiggestellt, der sich jedoch nicht bewährt. Der Schießstand der Gesellschaft für Sport und Technik wird fertiggestellt, wie auch der Sportplatz. Bemühungen der Einwohner um die Verschönerung des Dorfes.
1959 Der LPG wird die Technik (Traktoren, Mähdrescher) im Rahmen der MAS überantwortet. Im September wird der Schule der Status einer 10-klassigen allgemeinbildenden Oberschule verliehen. Der Grundlehrgang "Metallbearbeitung" wird im VEB Baumaschinen Gatersleben durchgeführt.

Außerschulische Arbeitsgemeinschaften werden ins Leben gerufen. Im Kloster Hedersleben brennen das Lehrerzimmer und der Dachstuhl. Die Feuerwehr aus Hedersleben verhindert einen größeren Schaden und stellt Unachtsamkeit als Ursache fest.

1960 Am l .4. wird die LPG Typ I "Einigkeit" gegründet, Vorsitzender ist Hans Schmidt. Der ursprünglich von den unter massiven Druck in die LPG gepressten Bauern gewählte Name "LPG Freier Bauer" wird nicht genehmigt. Pro Morgen müssen 13 Zentner Korn abgegeben werden.

Hedersleben wird zum sogenannten vollgenossenschaftlichen Dorf.

1961 Am 13. August wird in Berlin mit dem Bau der Mauer begonnen.

Einkaufsmöglichkeiten im Westen sind in der Folge nicht mehr gegeben.

1962 23 Lehrer unterrichten 510 Schüler.
1964/65 neue präzisierte Lehrpläne werden eingeführt. Fachkabinette für Physik, Chemie, Biologie, Werken usw. werden aufgebaut.
1966 Am 14.3. wird die Fünf -Tage- Woche für die Verkaufsstellen beschlossen.
1969 Am 1.7. erfolgt der Anschluss der LPG "Einigkeit" an die LPG "Fortschritt". Das Fernsehen ist das Schaufenster zum Westen. Westfernsehen ist staatlicherseits unerwünscht, wird jedoch von der Bevölkerung verbreitet konsumiert.
1970 Im April kommt es zu einer großen Überschwemmung der Selke, so dass Angermühle und Sportlerheim unter Wasser stehen.
1971 Die neue Tankstelle an der Magdeburger Straße wird eröffnet. Diese gehört der LPG Tierproduktion. Schon in den 30er Jahren stand einmal eine Tankstelle vor dem "Hederslebener Hof".
1974 Am 1.1. bildet sich die KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) Hedersleben/Heteborn.

In der Landwirtschaft soll industriemäßig produziert werden. Die Betriebsgrößen sind nicht überschaubar.

Am 19.5. erfolgt die Eröffnung des neuen Gesundheitszentrums / Landambulatoriums in der Klosterstraße. Praktischer Arzt ist Medizinalrat Florschütz, Zahnarzt ist Dr. Meier. Mobiler Röntgenzug mit Reihenuntersuchungen (TBC)

1976 Am 1.1. vereinigen sich die LPG Hedersleben und Heteborn zur LPG "Edwin Hoernle" unter dem Vorsitz von Egbert Scheller. Am 7.12. erfolgt die Grundsteinlegung der neuen Schule in der Magdeburger Straße. Schulrat Hielscher ist als Vertreter des Rates des Kreises zugegen.
1977 Am 21. Oktober erfolgt der Umzug in das neue Schulgebäude in der Magdeburger Straße 23 a.
1979 Am 1.1. Bildung der LPG (T) "Edwin Hoernle" unter dem Vorsitz von Hartmut Rönsch.
1980 Schüler gründen eine Schalmeienkapelle. Dies war eine Neugründung, da bereits von 1960 bis 1971 eine Schalmeienkapelle

bestand. Das alte Schulgebäude (Kloster) wird für Schulungszwecke und als Ferienlager der "Gesellschaft für Sport und Technik" genutzt.

1976 - 84 Die Tierproduktionsanlagen werden verbessert: Rindermastanstalt in Heteborn, Schweinezuchtanstalt in Hedersleben, neuer Schafstall in Hedersleben, Anlagen für Milchvieh, Sortierhallen, Maschinenhallen, Verwaltungsgebäude.

Am 12.5.1984 wird der "Hederslebener Hof" eröffnet, dies sollte ursprünglich bereits im Jahre 1978 zur 1000-Jahrfeier erfolgen. (Infolge fehlender Gelder gab es jedoch große Verzögerungen. Die Tausendjahrfeier wurde in Hedersleben nicht begangen. Der Nachbarort Rodersdorf feierte jedoch diesen Tag. Beide Orte waren auf der Urkunde genannt, die die erste urkundliche Erwähnung belegen.)

Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn hält die Festrede zur Jugendweihe im großen Saal des neuen Hauses. Am 1.9.1984 wird die Küche zur gesellschaftlichen Speisung eröffnet. Pro Tag werden ca. 800 Personen versorgt (LPG, Schule und andere Betriebe).

Im gastronomischen Bereich des Hederslebener Hofes werden ca. 300 - 500 Portionen ausgegeben.

1986 Am 16.12. wird die neue Bäckerei der LPG (T) eröffnet.

Die Ernteversorgung für den gesamten Kooperationsbereich wird vom "Hederslebener Hof" übernommen.

1987 geht im Sommer der Bürgermeister Werner Wissgott in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Wolfgang Rosen, der aus Hedersleben stammt.
1988 Ein großes Feuerwehrdepot wird auf dem alten Freihof Perrik im Rohbau fertiggestellt.

Die Chaussee nach Quedlinburg vom Kamp bis zum Bahnhof erhält eine Schwarzdecke und es werden Bordsteine gesetzt. Die Trinkwasserleitung wird etappenweise im Ort installiert. Auf dem Platz des Friedens entsteht ein Parkplatz mit Schwarzdecke und einer Grünanlage.

Im Klostergarten wird der Platz für Volksfeste und Bauernmärkte vergrößert und im Jahre 1987 ein fester Ausschank gebaut. Am 21. Oktober wird das 10jährige Bestehen der Sigmund-Jähn-Oberschule begangen.

Bisher fanden im großen Saal des "Hederslebener Hofes" 115 große Veranstaltungen statt. Etwa 30.000 Menschen wurden betreut. LPG (P) und LPG (T) "Edwin Hoernle" schließen mit den Gemeinden der Umgebung Kommunalverträge und unterstützen Bauvorhaben (Haus- und Straßenbau) und andere Projekte. Am 1.5.1989 wird der Freiflächenversorgungskomplex am Hederslebener Hof eröffnet.

1989 am 2.10. Massenflucht von Bürgern der DDR über Ungarn in den Westen.

9.10. alle Menschen des Ortes verfolgen am Fernsehgerät die Montagsdemonstrationen in Leipzig für die Freiheit. Die Ereignisse überschlagen sich:

18.10. Absetzung Honeckers, Krenz übernimmt die Regierungsgewalt in der DDR.

09.11. Öffnung der Mauer in Berlin erzwungen. Die Wende ist da! Hederslebener fahren nach Bad Harzburg, Goslar, Braunschweig und anderen Städten der Bundesrepublik. Sie schauen und erleben den Westen. Freudentaumel!

28.11. Zehn-Punkte-Plan Kohls zur Wiedervereinigung Deutschlands

06.12. Krenz entmachtet. Runder Tisch!

19.12. Kohl und Modrow vereinbaren Vertragsgemeinschaft.

22.12. Brandenburger Tor offen.

1990 13.02. die "Freiheit" veröffentlicht das Gesetz über die Wahlen (Kreistage, Gemeindevertretungen). Wanderkarten vom Westharz werden gedruckt.

18.03. erste freie Wahl zur Volkskammer der DDR. Sieg der CDU (40,9%).

06.05. Wahl zu den Kreistagen, Stadtverordneten- und

Gemeindevertretungen. Ergebnis in Hedersleben: SPD 46,7 %, CDU 31,6 %, FDP 12,6 %. Hermann Schakowsky (SPD) wird ehrenamtlicher Bürgermeister, sein Stellvertreter ist Klaus Eberding (CDU).

12.05. Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR.

18.05. Unterzeichnung des Staatsvertrages in Bonn zwischen Finanzminister Waigel (CSU) und DDR-Finanzminister Romberg (SPD)

Unabhängige Mitteldeutsche Zeitung erscheint. Flut von neuen Zeitschriften!

21.06. Volkskammer und Bundestag befürworten den Staatsvertrag.

01.07. D-Mark und damit die Marktwirtschaft werden eingeführt. Bargeld kann bis 6.7. eingezahlt werden. Möglichkeit der Umstellung von DDR-Mark-Guthaben zu beantragen, um je nach Alter 2000,- oder 6000,- D-Mark im Verhältnis l: l zu erhalten.

Bei größeren Guthaben oberhalb der Mindestumtauschbeträge beträgt das Umtauschverhältnis 2 DDR-Mark zu l D-Mark. Die Freude ist groß, der Sturm auf die Läden beginnt. Vorrangig werden Wünsche folgender Art erfüllt: Südfrüchte, Gebrauchtautos, Bekleidung usw.

03.10. Tag der deutschen Einheit. Sachsen-Anhalt entsteht aisneues Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Magdeburg wird Landeshauptstadt.

02.12. Bundestagswahl. CDU erhält Stimmenmehrheit.

Im Dezember eröffnet Hermann Kersten in der Klosterstr. eine neue Verkaufsstelle unter der Bezeichnung K + K (Kersten und Kubisch).

Versicherungsagenten und Anlagenberater geben sich die Tür in die Hand.

Die Raiffeisenkasse eröffnet mit neuer Innenausstattung.

1991 Die LPG (T) wird liquidiert. Die Treuhandanstalt übernimmt die Abwicklung.

23.05. Vorbesprechungen zu Problemen und Möglichkeiten der Erhaltung des Klosters mit Kirchenvertretern. 13.06. erste Zusammenkunft von Bürgern und Bürgerinnen des Ortes im Klausurhof des Klosters, um die Gründung eines Vereins zur Erhaltung und Förderung des Klosters zu diskutieren.

Auf der Grundlage von Diskussionen zwischen Vertretern der Gemeinde und des "Europäischen Bildungswerkes für Beruf und Gesellschaft" e.V. wird mit der Zielrichtung, die Erhaltung und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung des Klosters bei Berücksichtigung von Interessen der Allgemeinheit zu sichern, das "Internationale Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung" e.V. im November gegründet. Die Gemeinde Hedersleben ist durch den stellvertretenden Bürgermeister in diesem Verein vertreten.

Bauarbeiten an Kanalisation und Straßen beginnen in der Friedensstraße und werden später in der Klosterstraße, Gartenstraße und Schützenstraße fortgesetzt.

Die Telekom legt erste neue Telefonanschlüsse für neue Gewerbetreibende.

Vorbesprechungen zur Gründung eines Gemeindeverbandes "Bode-Selke-Aue" werden zwischen den Gemeinden Hedersleben, Wedderstedt, Heteborn, Hausneindorf und Ditfurt begonnen. Dächer werden neu gedeckt, Häuserfassaden geputzt sowie Wärmeisolierungsarbeiten durchgeführt. Das Bahnhofsgebäude wird restauriert.

10.12. die Gemeinde Hedersleben beantragt bei der Treuhandverwaltung die Übertragung der Anlage des Klosters in kommunales Eigentum

1992 17.01. Diskussion zwischen Vertretern der Gemeindeverwaltung, des Fördervereins, des Internationalen Zentrums und dem Architekten Prof. Burkhardt zur Koordinierung von Vorhaben und Arbeiten im Komplex des Klosters. ABM- Kräfte beginnen mit ersten Aufräumungsarbeiten im Kloster. Sichtbares Einsetzen der weltweiten Rezession. Vorbesprechungen zur Gründung des Fördervereins "Kloster St. Gertrudis" e.V.

06.02. Vertreter des "Internationalen Zentrums für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung" e.V. beraten mit Vertretern des Gemeinderates in 1. Lesung den Entwurf eines Pachtvertrages über Gebäude und Liegenschaften

des Klosters St. Gertrudis Hedersleben.

11.02. Abriss des alten Schaf Stalles auf dem Gelände der ehemaligen Flachsröste.

18.02. Es wird eine 2. Lesung zum Pachtvertrag über das Kloster zwischen Gemeinde und "Internationalen Zentrum" durchgeführt.

24.02. der Gemeinde Hedersleben werden nach dem Vermögenszuordnungsgesetz (VZOG) vom 22. März 1991 die zur Klosteranlage gehörenden Flurstücke nach Art. 21 Abs. 2 Kraft Gesetzes durch die Vermögenszuordnungsstelle Halle der Oberfinanzdirektion Magdeburg zu Eigentum übertragen.

05.03. das evangelische Pfarrwitwenhaus wird wegen Baufälligkeit abgerissen. Lehrer Andreas Meier wird in Hedersleben beerdigt.

27.03. Zwischen der Gemeinde Hedersleben und dem "Internationalen Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung" e.V. wird der Pachtvertrag über das Kloster St. Gertrudis Hedersleben in dessen Räumen im Beisein von Vertretern einer ungarischen Regierungsdelegation sowie zahlreichen Bürgern des Ortes feierlich unterzeichnet. Damit wird dem "Internationalen Zentrum" die Verfügungsberechtigung über Gebäude und Liegenschaften des Klosters übertragen.

28.03. Besucher einer zu einem Fortbildungsaufenthalt in Deutschland weilenden Gruppe aus Polen lassen sich die im Komplex des Klosters geplanten Vorhaben durch Dr. Stolte, Vorstandsvorsitzender des "Internationalen Zentrums" erläutern.

17.04. Das Architekturbüro Prof. Burkhardt Braunschweig veranstaltet mit ungarischen Architekten und Baufachleuten einen Workshop zur möglichen künftigen Gestaltung des Klosters und seines Umfeldes. Die Mitarbeiterin des Architekturbüros, Frau Dr. Gremmler, präsentiert die

Arbeitsergebnisse zu Gestaltungsprojekten des Klosterkomplexes.

02.05. Ein Fortbildungskurs "PC-gestützte Büroassistenz für Handel, Handwerk und Verwaltung" für 20 arbeitslose Frauen aus Hedersleben beginnt in Trägerschaft des "Europäischen Bildungswerkes für Beruf und Gesellschaft" e.V. im Kloster Hedersleben.

21.05. Architekturstudenten aus Hannover erarbeiten Studien zu möglichen Gestaltungen der dörflichen Ortskerne im Rahmen der Dorferneuerung.

01.06. Im Komplex des Klosters wird eine Übungswerkstatt

"Hoch- und Ausbau" etabliert, in der 60 Bauarbeiter aus Magdeburg im Rahmen einer durch den EG-Sozialfonds geförderten praxisorientierten Trainingsmaßnahme in Trägerschaft der Fortbildungsagentur Magdeburg GmbH qualifiziert werden.

01.09. Eine Fortbildungsmaßnahme "Hauswirtschaftshelferin" für 25 arbeitslose Frauen in Trägerschaft des "Europäischen Bildungswerkes für Beruf und Gesellschaft" e.V. beginnt im Kloster.

11.11. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für 40 vorwiegend weibliche Teilnehmer aus Hedersleben und Umgebung wird durch das Arbeitsamt Aschersleben genehmigt. Diese Maßnahme ist darauf gerichtet im Gelände des Klosters infrastrukturelle Voraussetzungen für eine mögliche Nutzung zu Zwecken des Fremdenverkehrs zu schaffen. Umfangreiche Aufräumungsarbeiten werden begonnen.

04.12. Im Kloster wird auf Einladung des Verwaltungsgemeinschaftsausschusses "Bode-Selke-Aue" eine Präsentationsveranstaltung zu den erstellten Arbeiten zur Dorferneuerung im Beisein zahlreicher hochrangiger offizieller Persönlichkeiten, wie z.B. der Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - Frau Wernicke, durchgeführt. Der gemischte Chor Gatersleben unter Prof. Rolf Braun singt zum Advent in der katholischen Kirche. Am 19.12. singt der Quedlinburger Oratorienchor unter Leitung von Domorganist Gottfried Biller.

1993 die Rezession hält an und wirkt weiter negativ auf die Beschäftigungslage, eine sehr hohe Arbeitslosenrate ist zu verzeichnen. ABM-Kräfte arbeiten in den Außenanlagen des Klosters. Es werden Baumpflanzungen im Hören sowie an den Wegen und Chausseen vorgenommen.

23.03. Die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - Frau Wernicke, weilt auf Einladung der der CDU-Ortsgruppe zu einem Arbeitsbesuch im Kloster Hedersleben. Es werden Möglichkeiten der Förderung der durch das "Internationale Zentrum" verfolgten Vorhaben diskutiert.

 

 

       

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